Das Absurdistan der CDU-Hannover

Das Absurdistan der CDU-Hannover

Verkauft der CDU-Ortsverband Herrenhausen-Stöcken (Hannover) die Öffentlichkeit für dumm? 

(Stand 13.09.2013)

Am 27.08.2013 hat der CDU-Ortsverband Herrenhausen-Stöcken (Hannover) eine Stellungnahme zu unserer Pressemitteilung vom 22.07.2013 (Abschiebung von Orang-Utan KAJAN im Zoo Hannover) abgebeben. Diese Stellungnahme strotzt nur so von bewusster Ablenkung, von Falschaussagen, von Kriminalisierung und von Schönfärberei. Wir möchten heute die Gelegenheit nutzen, einige Punkte richtig zu stellen.

1. Der CDU-Ortsverband behauptet:
„Kürzlich bekamen wir eine E-Mail von einem fundamentalen Zoo-Kritiker, der eine Tierhaltung in Zoos grundsätzlich ablehnt.“

Wir meinen:
Der CDU-Ortsverband erhielt am 22.07.2013 per Email eine Pressemitteilung von EndZOO Deutschland. Aus dem Inhalt der E-Mail ist also ganz deutlich erkennbar, dass es sich um KEINE Privatperson, sondern um eine Tierschutz- und Tierrechtsorganisation handelt.

2. Der CDU-Ortsverband behauptet:
Bei der geplanten Abschiebung von KAJAN „handelt es sich also nicht … um eine spontane Idee, weil Kajan nicht der Vater des Nachwuchses ist“, sondern eher soll „im Urwaldhaus dauerhaft nur ein Männchen gehalten werden„.

Wir meinen:
Dass es sich bei dieser Aussage um einen dreisten Versuch der Öffentlichkeits-Verdummung handelt, erklärt sich bereits bei folgender Gegenfrage:

„Warum muss ausgerechnet KAJAN und nicht der zweite männliche Orang JAMBI, der Vater des jüngsten Orang-Utan-Babys, den Zoo Hannover verlassen, wenn der eigentliche Grund die Haltung nur EINES männlichen Individuums ist? Warum muss KAJAN Hannover erst jetzt, nach der erneut misslungenen Vaterschaft, Hannover verlassen? Wenn die seit Jahren missglückte Vaterschaft von KAJAN also nicht der Grund ist, könnte doch auch JAMBI Hannover verlassen!“

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Auch wichtig ist zu wissen, dass KAJAN (linke Foto oben) eigentlich stattlicher und „ansehnlicher“ als JAMBI (rechte Foto oben) ist. Zoobesucher sind von KAJAN´s Gestalt viel mehr begeistert und fasziniert, als von JAMBI. Wäre KAJAN also in der Zucht auch nur einmal erfolgreich gewesen, würde nur ein extrem dummer Zoo diesen wunderschönen und stattlichen Orang-Utan abgegeben.  Wäre KAJAN also zuchtfähig, würde sich schon jeder deutsche Zoo um die Aufnahme dieses wunderschönen Individuums prügeln. Aber nein, KAJAN soll in einen der schlimmsten Zoos Russlands abgeschoben werden. Aus den Augen und aus dem Sinn. Siehe Schicksal von Gorilla TONI!

Der CDU-Ortsverband kehrt den Fakt, der seit Jahren bekannten Zeugungsunfähigkeit eines handaufgezogenen Orang-Utans bewusst unter dem Teppich. Hier will sich ein vermeintlich tierfreundlicher Zoo Hannover, so unsere Meinung, von einer sichtbar „wertlosen Ware“ trennen!

3. Der CDU-Ortsverband behauptet:
„Weitere, recht einseitige und Zoo-kritische Details folgten in der E-Mail des fundamentalistischen Zoo-Kritikers.“

Wir meinen:
Folgende nachgewiesenen und von genannten Hintergrundinformationen, zu einer der schlimmsten russischen Zoos (Kaliningrad), nennen die Christen von Herrenhausen „einseitig“:

  1. 80 Prozent der Anlagen im Zoo von Kaliningrad sind renovierungsbedürftig. Die Bedingungen im Zoo sind so schlecht, dass eine Online-Zeitung den Titel „Zoo-Ausschwitz“ vergab.
  2. Von 85 Gehegen sind nur 6 Gehege im brauchbaren Zustand. Zur Verbesserung benötigt der Zoo sofort ca. 12 Millionen Euro!
  3. Ein Mitarbeiter wandte sich bereits mit einem Brief an die Stadt und äußerte sich kritisch über die „unhygienische Situation bei den Futtermitteln“.
  4. Seit 2004 sterben die Tiere dort massenhaft.
  5. Seit 2007 wird das Affenhaus umgebaut und ist bis heute nicht fertig. In einer aktuellen Mängelliste werden 70 Fehler aufgelistet.
  6. Die schlechte Bezahlung zwingt die Mitarbeiter, die Nahrung der Tiere zu stehlen.
  7. Freilaufende Hunde greifen immer wieder die Tiere im Zoo an.
  8. 2010 starben sehr viele Tiere an einer Pilzinfektion.
  9. Immer wieder fliehen Tiere aus den maroden Gehegen.
  10. Aufgrund von fehlendem veterinärmedizinischem Personal und Medikamenten konnte dem an Zahnproblemen leidenden Flusspferd GLJASSIK bisher nicht geholfen werden.
  11. Eine lebende Ziege wird den Löwen zur Nahrung ins Gehege geworfen.
  12. Das Massensterben geht 2011 weiter.
  13. Der Zoo gilt als schlimmste städtische Einrichtung in Bezug auf Löhne und Arbeitsbedingungen.

 

Übrigens, diesen katastrophalen Gesamtzustand des Zoos in Kaliningrad, wohin KAJAN abgeschoben werden soll, bezeichnet die CDU auch noch als „gewissenhafte Suche“ des Zoo Hannovers.

Lesen Sie HIER unsere ausführliche Dokumentation über die Haltungsbedingungen im Zoo von Kaliningrad!

Zudem erfolgt von seiten des Ortsverbandes auch keine Erwähnung der von uns aufgelisteten, mehr als fragwürdigen und zum Teil dubiosen Tierabschiebungen der Zoo-Gefangenschaft Hannover in den letzten Jahren. HIER können sie die erschreckende Wahrheit nochmals nachlesen!

Einseitig ist also allein der „CDU-Ortsverband Herrenhausen-Stöcken“, der seinen Wählerinnen und Wählern und seinen Bürgerinnen und Bürgern in seiner Pressemitteilung solche Fakten offenbar bewusst und mit Vorsatz vorenthält.

4. CDU-Ortsverband behauptet:
„Der Zoo in Königsberg hat des Weiteren einen Antrag auf die Aufnahme in den Dachverband der Europäischen Zoos EAZA gestellt. Die EAZA nimmt nur Zoos auf, die bestimmten Richtlinien entsprechen.“

Wir meinen:
Ersten handelt es sich um den Zoo in „Kaliningrad“ und nicht um den Zoo „Königsberg“. Warum der CDU-Ortsverband internationale Abkommen und eine unwiderrufliche Geschichte ignoriert muss man ebenfalls kritisch hinterfragen. Zweitens versucht die CDU mit dem „EAZA-Antrag-Argument“ erneut von der tierschutzwidrigen und katastrophalen Gefangenschaftshaltung in Kaliningrad abzulenken und diese damit schön zu reden. Ist das auch der grundsätzlich politische Stil dieses CDU-Ortsverbandes bei anderen politischen Entscheidungsfindungen? Ist dies die übliche einseitige Form der Meinungsbildung?

5. CDU-Ortsverband behauptet:
Orang-Utans sind vom Aussterben bedroht. Nur noch ca. 7.000 Tiere leben auf Sumatra, auf Borneo sind es nur noch etwa 40.000-80.000. Durch den massiven Abbau des Regenwaldes und damit Verlustes des Lebensraumes der Orang-Utans hat ihr Bestand in den vergangenen 75 Jahren um 80 Prozent abgenommen! Der nach wie vor ungebrochene Fang und Handel von Jungtieren für den internationalen und regionalen Handel ist die zweite große Bedrohung für die Tiere.

Wir meinen:
Trotz des mehr als hundertjährigen Bestehens von Zoo-Gefangenschaften, hat sich die Situation der letzten Orang-Utans in Freiheit nicht verbessert. Im Gegenteil, gerade das reiche Deutschland spielt eine nicht unwesentliche Rolle in der unaufhaltsamen Zerstörung der letzten Lebensräume (u.a. Palmöl) von Orang-Utans. Eine langjährige Zoo-Gefangenschaft wie in Hannover hat also bisher keinen einzigen Orang-Utan vor dem Aussterben bewahrt. Die obige CDU-Aussage bekräftigt selbstredend die Absurdität und Sinnlosigkeit jeder Zoo-Gefangenschaftshaltung von Orang-Utans. Wie die Abschiebung von KAJAN die generelle prekäre Situation der Orang-Utans im natürlichen Lebensraum
Verbessern soll, bleib ebenfalls völlig unklar. Dass die CDU, angesichts der fragwürdigen Geschäfte des Zoo Hannovers mit dem dubiosen Tierhändler Werner B. und anderen, sich völlig unkritisch des Wortes „Handel“ bemächtigt, ist ebenfalls an Ignoranz nicht zu übertreffen.

6. CDU-Ortsverband behauptet:
Der Zoo in Hannover hat sich seit den 1990er-Jahren, wo er wie eine Tierverwahranstalt mit viel zu engen Gehegen wirkte, in großen Schritten zu einem modernen Zoo entwickelt. Wer auf die großzügig angelegten Gehege im Erlebnis-Zoo Hannover schaut, findet heute weitreichende, freie Sichtachsen. Diese freuen nicht nur die Besucher. Auch bei den Tieren gewinnt man den Eindruck, dass sie bestens versorgt sind.

Wir meinen:
IMG_7273 - KopieGanz offensichtlich muss der CDU-Ortsverband ebenso total blind sein, wenn er im Zusammenhang mit der Hannoverschen Orang-Utan-Zoo-Gefangenschaft die Worte „modern“, „großzügig“ und „weitreichend“ spricht. Fakt ist, dass nicht alle Orang-Utans in Hannover  die absolut zu kleine und reizarme Außenanlage gleichzeitig nutzen können. Das ist ein Mangel zu Ungunsten des Wohlbefindens aller derzeitigen fünf Orang-Utans. Auch die nicht nur sichtbar zu kleinen Innenanlagen bieten kaum mehr Reize und Abwechslung.

Bitte unterstützen Sie weiterhin unserem Protest! Kämpfen Sie mit uns, um die Abschiebung von Orang-Utan KAJA zu verhindern. HIER gelangen Sie zu unserem Protestaufruf!

Nachtrag (18.09.2013): Mittlerweile hat die CDU mit einer fragwürdigen „Ergänzung“ reagiert! Hier erfahren Sie mehr!

6 thoughts on “Das Absurdistan der CDU-Hannover

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    ist es nicht genug, dass es den Tieren im Zoo Hannover schon nicht gut geht, weil die Anlage nicht artgerecht ist, wollen Sie das arme Tier auch noch in ein Leben von noch mehr Traurigkeit abschieben.
    Sind Sie sich Ihrer Verantwortung so wenig bewusst?
    Ich finde Zoos grundsätzlich bedenklich weil sie nie den geeigneten Lebensraum für Tiere bieten.
    Es ist ja bekannt, dass die Menschenaffen in der Gefangenschaft sehr leiden.
    Die Unfruchtbarkeit des Tieres als Grund anzugeben ist für mich der wahre Hohn.
    Das Tier das von Menschenhand aufgezogen wurde, wird genau von diesen Menschen verraten und verkauft!!!
    Ich bitte Sie Ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken!!!

    Gruß
    Astrid Spaller

  2. Jedes Tier im Zoo, welches nicht ausreichend fuer den „“ach so suessen“ Nachwuchs sorgt wird selbst entsorgt. Was fuer eine Welt in der sich der Mensch als Kroenung der Schoepfung bezeichnet.

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