Obhut oder Inhaftierung?

Menschliche Obhut oder Inhaftiert? 

(Stand 08.02.2012)

„In solchen Institutionen führen die Insassen ein im höchsten Grad strukturiertes Leben, welches das Subjekt strenger Kontrolle und intensiver Beobachtung ist. Solche Institutionen errichten Barrieren gegen einen offenen sozialen Austausch mit der Außenwelt Barrieren, die oft psychische Konstrukte wie Mauern, Zäune, Tore und Gitter sind, sowohl Besucher die Insassen vielleicht besuchen können, und das wiederum in einer äußerst strukturierten Weise.“

Was meinen Sie, wessen Strukturen und welche Institution wird links beschrieben? Die eines Zoos, eines Gefängnisses, eines Krankenhauses, einer psychiatrischen Klinik, eines Internates oder einer Kaserne?

Bob Mulan und Garry Marwin schreiben in ihrem Buch „Zoo Culture“ (1987), dass „…alle diese sozialen Einrichtungen dazu tendieren, eine völlig abgeschlossene Welt für deren Insassen zu definieren und zu konstruieren.“

Und so ist es. Sämtliche Gehege in den Zoos sind, wie Gefängnisse auch, so konstruiert, dass ein noch so harmloser Insasse (Insekt) nicht fliehen kann. Selbst ein gitterloses Gehege bedeutet, dass jegliche Fluchtmöglichkeiten dennoch ausgeschlossen sind.

„Erst wurde Spähtrupps aktiviert, den Fluchtweg (eines immer wieder fliehenden Rhesusaffen) auszukundschaften, dann Elektriker beauftragt, Stromzäune zu legen, schließlich wurden Mauerer ins Feld geschickt, eine ausbruchsicherer Mauer aufzubauen.“ (1)

Aber warum baut man dann begrenzte Zoogehege, wenn Tiere im Zoo, so die Zoos und deren Verfechter, aber NICHT frei sein wollen, in „menschlicher Obhut“ leben und sogar nach der Flucht angeblich wieder zurückkehren?

Tiere im Zoo wollen NICHT frei sein!

„Aus dem Tierpark Hellabrunn in München liegen Berichte vor, nach denen Hirsche hohe Zäune übersprangen, sich vor dem Gehege an Pflanzen gütlich taten und – Achtung, jetzt kommt das – vor Öffnung des Parks FREIWILLIG!!!!! wieder in ihr Gehege sprangen. Auch im Zoo Hannover sind Fälle bekannt, wo Antilopen die Gräben mühelos übersprangen und – aus was für Gründen auch immer – später wieder in ihr vertrautes Gehege übersetzten. Dies ist so ziemlich jedem bekannt .Daneben gab es im Zoo Zürich einen Fall, wo das Gerüst einer Greifvogelvoliere über den Köpfen der Greifvögel abgerissen wurde. Die voll flugfähigen(!) Vögel drehten eine Runde und kehrten dann freiwillig!!! auf ihre Felsen zurück. Und das Beste daran: Die Vögel waren mit größter Wahrscheinlichkeit Wildfänge, kannten also die sogenannte Freiheit. Und sie zogen trotzdem ein Leben im Zoo dem Leben in der freien Wildbahn vor…“ (3)

Nicht nur, dass dieser Verfasser bis heute keine Beweise für diese Vorfälle vorlegen konnte oder wollte, grundsätzlich benutzen Zoos und ihre Befürworter gerne diese wenigen Berichte von aus Zoos geflohenen und später wieder zurückgekehrten Tieren, um die These aufrecht zu erhalten, dass Tiere im Zoo grundsätzlich kein Bedürfnis nach Freiheit hätten.
Allein schon die Frage, warum die Tiere aus diesen Ausnahme-Berichten ihr „schönes und wohlbehütetes Zuhause“ (ihr Gehege) zunächst verlassen haben, um später vielleicht auch wieder zurückzukehren, katapultiert die Argumentation des „Nicht-frei-sein-Wollens“ hier schon ins Reich des Lächerlichen. Denn ganz offensichtlich war diesen Tieren die Gefangenschaft dann wohl doch nicht Anreiz und Bedürfnis genug, um in der „menschlichen Obhut“ zu bleiben.

Betrachtet man viele dieser Rückkehr-Berichte aber genauer, die auch eher eine Ausnahme darstellen, so erkennt man, dass „sich diese Tiere oft in einer akuten Zwangslage oder in einer Konfliktsituation befanden“ und schließlich in der Flucht einen Ausweg fanden. Oft spielt auch die Neugier eine Rolle. Was sie jedoch letztendlich draußen vorfanden, war

„nicht die heimatliche Savanne oder der südafrikanische Regenwald, sondern aufgeregt durcheinanderlaufende Besuchermassen oder gar ein Stadtbereich voller Autos und fremder beängstigender Geräusche. Die Umgebung der Gehege ist für die Tiere einfach wesentlich furchteinflößender und gefährlicher als der zwar langweilige und enge, aber immerhin vertraute Käfig. Entflohene Tiere befinden sich … also in der Situation einer verwirrten Person, die aus ihren vertrauten Milieu in eine feindliche nicht einzuordnende Umgebung versetzt wurde. Es ist allzu verständlich, dass die panischen Tiere, soweit es ihnen möglich ist, ihren Käfig wieder aufsuchen.“ (2)

Wie bereits schon oben erwähnt, gibt es für einige vermeintliche Rückkehrberichte von einst geflohenen Tieren sehr oft keine Beweise. Und selbst wenn die ein oder andere Geschichte der Realität entspricht und die entflohenen Tiere in die Gefangenschaft wirklich zurückkehrten, bedeutet dies nicht unwiderruflich, dass Tiere in Gefangenschaft grundsätzlich kein Interesse an der Freiheit hätten.

Tiere im Zoo WOLLEN frei sein

Lothar Dittrich (vormals Zoodirektor Zoo Hannover):

Versteht man unter Gefangenschaft die sichere Verwahrung von Ausbruchswilligen, trifft der Begriff auf die Lage der Zootiere nicht zu.“ (2)

Unsere Berichte-Sammlung führt den klaren Nachweis, dass auch die Tier-Insassen im Zoo ausbruchswillig sind und damit auch ein Interesse an der Freiheit beweisen. Und wenn sie einmal die Chance haben, die Freiheit zu genießen, wird diese oft mehr als nur einmal von ihnen genutzt. Sehr oft kehren sie aber auch nur unter erheblichem Zwang, also keineswegs freiwillig, in die Gefangenschaft zurück. In vielen Fällen endet ihr Genuss ihrer Freiheit leider auch tödlich.

Zur „EndZOO-Flucht-Statistik“: HIER KLICKEN!

Quellennachweis:

  • (1) TV-Sendung „Elefant, Tiger & Co“ vom 08.Oktober 2008
  • (2) „…und hinter tausend Stäben keine Welt – Die Wahrheit über Tierhaltung im Zoo“ von Stefan Austermühle
  • (3) Zoo-Forum vom Schüling-Buchkurier (gefunden 2008)

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