Wildpark Enghagen

Der schlechteste Zoo Österreich mit „sehr guter Tierhaltung“

(Stand 27.06.2012)

Auf alten Ansichtskarten und auf dem aktuellen Firmenauto des Wild- und Tierpark Enghagen liest man ein „Tierpark mit Herz“ . Bei unseren Besuchen 2011 und 2012 haben wir von EndZOO jedoch Tierhaltungen gesehen, die nach unserer Auffassung weit von einer Herzenssache entfernt sind. Fast ein Jahr nach unserem ersten Besuch 2011 finden wir noch immer extrem veraltete Haltungsbedingungen, teils erhebliche Sicherheitsmängel und offenbar wenig Betreiber-Engagement. Ein Skandal, denn der Wildpark Enghagen ist aufgrund seiner angeblich „sehr guten Tierhaltung“ zu einem  der „Top-Tierparks Österreichs“ ausgezeichnet worden.

 

Hintergrundinformationen

1984 errichteten Mireille und Hermann S. den Tier- und Wildpark Enghagen. Im Februar 2007 wird der Wildpark dann an Josef S. verpachtet. Der Großteil der heute bestehenden Tieranlagen stammt unserer Einschätzung nach noch aus den Anfängen des Tierparkes.

Unser Gesamteindruck vom Tierpark:

Eine veraltete und heruntergekommene Einrichtung. Bei unserem ersten Besuch, im Sommer 2011, machte der Wildpark einen mehr als unsauberen Eindruck. Josef S. hielt sich bei unserem Besuch die meiste Zeit im Kassenhaus auf und las im „Quantum Verzeichnis“. Zeit- und Personalmangel konnte also nicht Ursache für die von uns unsauber vorgefundenen Gehege gewesen sein. Bei unserem zweiten Besuch, Anfang 2012, zeigte der Tierpark dann etwas mehr Pflege. Fast ein Jahr nach unserem ersten Besuch konnten wir jedoch keine baulichen Verbesserungen der Tierhaltungen feststellen. Der Großteil der Informationsbeschilderungen an den Gehegen war mehr als mangelhaft und ungenügend.

Mangelhafte Tierhaltung (2011 und 2012)

Amtstierarzt Herbert Seiringer (Amtstierarzt der Bezirkshauptmannschaft Kirchdorf) 2011:

„Mängel in Bezug auf die Tierrechtsverletzungen gebe es nur geringer Natur“  9

EndZOO-Nachtrag (16.07.2012):

Irrtümlicherweise haben wir aus einem NUTRIA zunächst eine BISAMRATTE und aus einem MARDERHUND einen VIELFRAß  gemacht. Wir bitten diese zwei Fehler zu entschuldigen. Dieser Irrtum ändert jedoch nichts an der für uns sichtbar trostlosen und oft mangelhaften Haltung dieser Individuen im Tierpark Enghagen.

So genannte Überschuss-Bären (2001)

Im Jahr 2001 geraten der Tierpark Enghagen und andere wegen unverantwortlicher Bären-Massen-Zucht in die Negativ-Schlagzeilen. Besonders in Deutschland und Österreich gab es in diesem Zeitraum einen enormen Überschuss an Bären in Zoos, Tierparks und Wildparks. Dennoch wurde von den Tierhaltern weiter gezüchtet und Nachwuchs am laufenden Band „produziert“. Besonders die süßen, kleinen und kuschelig wirkenden „Bärchen“ lockten Besucher an und erwirtschafteten den Einrichtungen entsprechende Umsätze. Doch was später aus dem Nachwuchs wurde, blieb in den meisten Fällen ein Rätsel. Oft wurde der Bärennachwuchs getötet und deren Fleisch auch an „Feinschmecker“-Restaurants verkauft. Aus ethischer Sicht war und ist so eine Vorgehensweise nicht vertretbar.

„Zwischen 1991 und 2001 kamen 11 Bären im Wildpark Enghagen zur Welt. Der damalige Besitzer verweigerte dem Tierhilfswerk jede Auskunft über den Verbleib der Bären.“ 13

Trotz großer medialer und öffentlicher Kritik am „Kuscheltiermord“, machten die skrupellosen Bärenhalter ungestört weiter. Ihre Einstellung zu fühlenden Lebewesen kommt in folgender Aussage sehr gut zum Ausdruck:

Wildpark Enghagen: „Mit den Tieren können wir wie etwa mit Autos gehandelt werden.“ 11

Solche fragwürdigen Tierhalter bekamen für ihr blutiges und skrupelloses Vorgehen auch noch behördliche Rückendeckung.

Amtstierarzt Herbert Seiringer (Amtstierarzt der Bezirkshauptmannschaft Kirchdorf), noch heute zuständig für den Enghagener Wildpark, meinte damals:

„Das Mutterglück ist der schönste Moment im Leben einer Bärin das sollte ihr keinesfalls verwehrt werden.“ 10

Erst nachdem eine österreichische Tierschutzorganisation in einem Enghagener-Bären-Fall für Aufdeckung sorgte, kam endlich an die Öffentlichkeit, was lange Zeit nur vermutet und verschwiegen wurde.

„Braunbärin BÄRLI (25 Jahre alt) bringt am 16.01.1996 zwei männliche Bären zur Welt. Im Januar des nächsten Jahres waren beide einstigen Publikumslieblinge jedoch tot. Ein Präparator soll die Tiere ausgestopft haben.“ 11

„Zwei Braunbären seien als Schaustücke in Museen nach Leipzig und Dresden in Ostdeutschland transferiert worden.“ 12

Weitere ältere Negativmeldungen zum Tierpark

2011

  • FPÖ-Bezirksobmann Christian Hartwagner und Andre Taschner berichten nach einem Besuch: Zahlreiche Kadaver in den Gehegen und trostlose Wildtiere.“ 9
  • Wieder können Luchse aus ihrem Gehege fliehen. 8

2010

  • „Drei Luchsen gelingt in verschiedenen Monaten die Flucht aus ihren Gehegen. Zwei werden auf Bitten von Pächter Josef Streicher von Jägern erschossen und ein Tier stirbt durch einen von Herrn Streicher falsch gesetzten Narkosepfeil.“ 7

2009

  • „Inzwischen ist nur noch ein Drittel der Tiere da die anderen sind verendet oder verschwunden , klagen die Wildparkeigentümer Mireille und Hermann S.“ 5
  • Herbert Seiringer (Amtstierarzt der Bezirkshauptmannschaft Kirchdorf): Bei einigen Tieren war nicht ordentlich eingestreut. Das heißt, dass sie auf dem nackten Boden schlafen mussten.“  6
  • Gemeinde und Touristikverband: „Der Wildpark Enghagen war einst unser Aushängeschild jetzt gibt es ständig Beschwerden.“  5
  • Ein Kleinkind reicht den Wölfen Nahrung durch das Gitter ihres Geheges und wird von einem Wolf gebissen und verletzt. 3
  • Luchs PANKRAZ gelingt die Flucht aus seinem Gehege. 4
  • Ein Berberaffe läuft im Tierpark frei herum. 14

2006

  • „Die Meerschweinchen sind fast alle ohne Fell, krank das Wasser in den Gehegen und Käfigen ist dreckig, schmuddelig und nur grauslig.“  2

2002

  • Die Berberäffin MÄDI flüchtet aus ihrem Gehege. 1

Top-Tierpark mit sehr guter Tierhaltung?

Trotz der sichtbaren Tierhaltungs- und Sicherheitsmängel (siehe Bericht oben) wurde der Tier- und Wildpark Enghagen als ein „Top-Tierpark Österreichs“ ausgezeichnet. Ja, Sie lesen richtig. Dieser für uns schlechteste Tier- und Wildpark Österreichs wurde „ausgezeichnet mit sehr gut für tiergerechte Haltung und zoologische Betreuung.“ Und diese Auszeichnung erhielt er durch ein unabhängiges österreichische Expertenteam geprüft.“

Auf mündlicher und schriftlicher Anfrage erhielten wir bis heute keine Antwort vom Vorsitzenden der Gemeinschaft Herrn P. (Natur- und. Erlebnispark Buchenberg), wer die unabhängigen Gutachter namentlich seien. Wir fragen uns noch immer, waren die Gutachter im Fall Enghagen blind?

In der Broschüre der Top-Tierparke -Gemeinschaft heißt es:

„Elf Tierparke in Österreich haben sich mit dem Vorsatz vereint, glücklichere Tiere in tiergerechten Anlagen den Besuchern zu zeigen und damit Wissen über die Artenvielfalt und deren Lebensräume zu vermitteln. Nicht Tiergefängnisse sondern zusammenhängende Lebensräume vermitteln zu wollen, ist deren Ziel.“

 

Wir von EndZOO-Österreich haben im Wildpark Enghagen keine glücklichen Tiere und kaum tiergerechte Anlagen gesehen. Wir haben tatsächlich Tiergefängnisse empfunden. Wir haben das Gegenteil von dem was einen „Top-Tierpark“ laut Broschüre ausmachen soll, im Wildpark kennengelernt.

Diese offensichtliche Selbstauszeichnung und Selbstbegutachtung österreichischer Tierparks ist bei Betrachtung des Wildparks Enghagen eine Farce auf ganzer Strecke und eine Mogelpackung. Und sie ist ein Skandal, denn diese „Selbst-Auszeichnung“ wurde zudem mit Steuergeldern des österreichischen Bundes, der Länder und der EU unterstützt.

 

Lesen Sie auch diesen ausführlichen EndZOO-Bericht:

Und zu den Fotos geht es HIER!

Quellennachweis:

1 Oberösterreichische Nachrichten vom 13.06.2002

2 E-Mail einer Wildparkbesucherin an den österreichischen Tierschutzverein vom Juli 2006

3 Kurier vom 18.05.2009

4 Oberösterreichische Nachrichten vom 29.10.2009

5 Kronen Zeitung vom 04.12.2009

6 Oberösterreichische Nachrichten vom 31.12.2009

7 Kurier vom 08.10.2010

8 Oberösterreichische Nachrichten vom 07.06.2011

9 Oberösterreichische Nachrichten vom 05.07.2011

10 Krone Zeitung vom 04.10.2001

11 Oberösterreichische Rundschau vom 20.09.2001

12 SN vom 03.10.2001

13 Presseaussendung Tierhilfswerk Austria vom 12.09.2001

14 Der EU-Zoo-Report 2011 für Österreich ENDCAP

 

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